Reise in das Heilige Land und Sinai
Freundeskreis Bethlehem der Kirchengemeinde Ewersbach
Ich möchte heute über unsere Eindrücke und Begegnungen
mit den Menschen und Einrichtungen der Gemeinde der
Weihnachtskirche und der Dar Al-Kalima Schule in Bethlehem
berichten und dazu ein Brief- Logo verwenden, das sich
zusammensetzt aus einem Bild von einem der Fenster in
der Weihnachtskirche (Lk. 2,10-Siehe, ich verkündige euch
große Freude…), dem Logo der Dar Al-Kalima Schule
und dem Logo der Kirchengemeinde Ewersbach bzw.
ein Symbol für die Verbindung der Einrichtungen und ihrer
Menschen darstellen soll.
Die Belebung und Ausgestaltung dieser Verbindung
ist das Anliegen des Freundeskreises Bethlehem.
Unsere Reise nach Israel, Palästina und den Sinai fand
statt vom 06.3. bis 20.03.2010 und wir haben vom
11.03-17.03. 6 Nächte im sehr schönen und
angenehmen Gästehaus des ICB
(Internationalen Begegnungszentrum Bethlehem)
mit dem Namen Abu Gubran verbracht sowie ein
umfassendes Programm in den Einrichtungen des ICB
und der Dar- Al-Kalima Schule erlebt.
Darüber hinaus unternahmen wir einen Tagesausflug
zum Herodion, zum Hirtenfeld, zur Mauer in Bethlehem
und zu einem Flüchtlingslager.
Wir haben beides erlebt: Freude über die Zeichen der Hoffnung,
die wir insbesondere während des Besuches des
Kindergartens und der Schule erfahren haben und
Erschütterung über die äußeren, politischen und militärischen
Umstände, die auf die Menschen in Bethlehem und der ganzen
West Bank einwirken und einen Kontrapunkt setzen gegen
Hoffnung auf eine Zukunft in Frieden und freiheitlicher
Entwicklung menschlicher Lebensgemeinschaft.
Letzterer Eindruck hat sich insbesondere durch den Besuch
des Flüchtlingslagers Dheisheh bei uns festgesetzt.
Doch zunächst die Zeichen der Hoffnung:
Der gemeinsame Gottesdienst mit Heiligem Abendmahl,
welchen wir mit Mitri Raheb und der Betlehemer
Gemeinde sowie anwesenden Gruppen aus den USA und
Bolivien feierten, war wieder ein besonderes Erlebnis. Unsere
Reisegruppe brachte die Bitte nach Frieden mit dem Kanon
Dona Nobis Pacem zum Ausdruck und das Lob Gottes
erklang vielstimmig in den Sprachen Arabisch, Lateinisch,
Englisch, Spanisch und Deutsch.
Dorothee Benner und Monika Heppner überreichten die von
unserer Kirchengemeinde als Zeichen der Verbundenheit
mitgebrachte Osterkerze.

Elke Blecher und ich konnten an einem ganztägigen Betrieb des
Kindergartens und der Schule aktiv teilnehmen.
Zu Beginn des Unterrichts durfte ich den Kindern der
Jahre 3 bis 6 in der morgendlichen Andacht eine kleine Geschichte
erzählen, für die ich das Ereignis des kleinen Zachäus in Jericho
umdichtete und auf die kleinen Kinder bezog. Dafür sangen uns
die Kinder das Lied von Zachäus in einer Weise vor, dass wir
den Eindruck hatten, dass in jedem Moment Jesus persönlich
durch die Tür eintreten würde.
Im Anschluss an die Andacht habe ich den Proformascheck
über 1000,-€ überreicht, der gemäß dem Beschluß der Mitglieder des
Freundeskreises für die Kindergartenarbeit bestimmt ist.

Im Unterricht der Klassen 8-10 kam es auch zu intensiven
Dialogen mit Schülerinnen und Schülern, aus denen wir den
Eindruck mitgenommen haben, dass die Arbeit der Einrichtungen
der Dar Al- Kalima Schule einen unschätzbaren Wert für die
Erziehung der jungen Menschen in Palästina hin zu
selbstbewussten, kritischen und friedfertigen Menschen darstellt,
die gleichsam eine Hoffnung auf eine friedliche Entwicklung der
ganzen Gesellschaft in der Region ist.
Wir haben gesehen, wie Kinder aus dem Kindergarten in der
Schwimmhalle der Einrichtung das erlebten, was
wir unseren Kindern selbstverständlich gönnen: Ausgelassene
Freude. Man bezeichnet diese Freude als Wellness, womit
durchaus ein wesentlicher Unterschied zur Wellness nach
unserem Verständnis und der von uns geübten Praxis
vorhanden ist, denn in Bethlehem hat dieser Begriff eine soziale
Bedeutung im Hinblick auf Bildung einer Gesellschaft,
die auf den Weg in eine menschenwürdige Zukunft geleitet werden soll.
Mitri Raheb gab uns eine umfassende Information über
die Entwicklung der Einrichtungen des ICB und der Schule
sowie über die Situation in Bethlehem und der gesamten Westbank.
Sein Fazit: Das Leben in der Wertsbank gleicht mehr und mehr der
Situation in Süd Afrika während der Jahre der Apartheid. Das
Westjordanland ist durchsetzt mit israelischen Siedlungen
(die wir mit eigenen Augen gesehen haben), welche die Bewegung
der Palästinenser zwischen ihren eigenen Ortschaften durch
militärische Checkpoints der Israelischen Armee immer mehr
erschwert. Die inzwischen 750 km lange und 9m hohe Betonmauer
schneidet Bauern von Ihren Olivenhainen ab..
Unser Besuch im Flüchtlingslager Dheisheh hinterließ einen
schockierenden Eindruck. Obwohl auf dem Gelände von
ca. 900x900m mit 12000 Bewohnern die UN mit großen Fahnen
vertreten ist, ist z.B. die ärztliche Versorgung mit einer
Halbtagseinrichtung völlig unzureichend. Kinder und Jugendliche
wachsen in einem Klima der Perspektiv- und Hoffnungslosigkeit auf.
Für den Freundeskreis:
gez. Manfred Manderbach,
Vorsitzender




